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Saamen

Die Saamen (Selbstbezeichnung: Sámi, Sápmi oder Sápmelaš aus der Ursprungsform šämä), das mit dem baltischen Wort žēme = Land verwandt ist, sind ein indigenes Volk, das zu den ältesten in Nordeuropa gehört. Der veraltete Begriff Lappe oder Lappen (plural) wird von vielen Saamen als herabsetzend angesehen, obwohl der Begriff ursprünglich in einigen saamischen Dialekten als Begriff für die Tätigkeit eines Rentierhirten verwendet wurde. Sie leben heute im Norden und im Zentrum der skandinavischen Halbinsel, in Finnland, Karelien und auf der Halbinsel Kola. Von den Traditionen her gehören die Saamen zu den finno-ugrischen Völkern, und die saamischen Sprachen gehören zu einer besonderen Unterart der finno-ugrischen Sprachen, und zwar zur uralischen Sprachgruppe. Allerdings wäre vom historischen Standpunkt her für die Definition der Ethnogenese der Saamen die Tatsache erheblicher, dass sich das saamische Volk aus einem der ältesten Volksstämme Europas gebildet hat, und zwar aus dem Stamm der Arier, die vor über Zehntausend Jahren in den Norden Europas und nach Skandinavien gekommen waren. Ihnen folgten finno-ugrische, slawische und germanische Stämme. In der Folge wurden die Saamen, beginnend ab dem frühen Mittelalter und bis in das XX. Jahrhundert hinein, Stück für Stück aus ihren angestammten Siedlungsgebieten verdrängt, zuerst von den norwegischen und schwedischen Wikingern, und dann von den finnischen, karelischen und russischen Siedlern und Bauern, die es immer weiter nach Norden zog, um sich dem Joch der Leibeigenschaft zu entziehen und religiösen Repressionen im Königreich Schweden und im Russischen Zarenreich zu entgehen. Im Ergebnis dieser Jahrhunderte andauernden Migrationsprozesse hat es eine unausweichliche Vermischung der Saamen mit den zugezogenen Völkern gegeben. Die Saamen haben sich sukzessive mit den anderen Völkern assimiliert, was seinen Niederschlag in der weiteren Entwicklung der saamischen Sprache gefunden hat, wie auch in den Traditionen der Saamen und in ihrer Kultur. Daher wäre es wohl richtiger, die heutigen Saamen als besondere nordeuropäische Ethnie anzusehen, und die saamische Sprache – die lediglich nach formalen Merkmalen zu den finno-ugrischen Sprachen zählt – ebenso. Das wird vollkommen dadurch bestätigt, dass sich die moderne saamische Sprache in zwei Gruppen unterteilt: West- und Ostsaamisch. Beide wiederum unterteilen sich ihrerseits in 11 Sprachuntergruppen, wobei Saamen, die einen dieser zahlreichen Dialekte sprechen, nicht selten Schwierigkeiten dabei haben, sich untereinander zu verstehen.

Während der gesamten Geschichte der Existenz der Saamen gehörte zu deren grundlegenden traditionellen Beschäftigungen, denen sie nachgehen, je nach Gebiet und natürlichen Bedingungen die Rentierzucht, der Fischfang, sowie die Jagd zu Wasser und zu Lande. Die Saamen haben verdient den Ruf, zu den besten Rentierzüchtern der Welt zu gehören. Dabei hat sich bei den Saamen, durch ihr Leben als Nomaden unter den rauen Bedingungen hinter dem Polarkreis, eine Lebensform in der Gemeinschaft herausgebildet, und eine von der Vernunft diktierte Weltanschauung entwickelt, die charakterisiert wird davon, dass sich mehrere Familien in einem Familienverband zusammenschließen, dass sie ungezwungene Kleidung aus Tierfellen herstellen und entweder mobile oder einfache ortsgebundene Wohnstätten errichten (wie die Vesha bzw. Gamme (in Norwegen), ein vier- bis sechseckiger mit Herbstfellen von Rentieren gedeckter Pfahlbau als Winterquartier, die im IX. Jh. von der Tupa abgelöst wurde, ein etwa 2 m hoher Holzbau von 12...13 qm, der schon mehr einer Blockhütte Ähnlichkeit hatte, oder die Kote, wie das saamische Nomadenzelt genannt wird).

Die Saamen bevorzugen bei ihrer Ernährung Fleischspeisen und Fisch. Ebenso haben sie die handwerklichen und kultischen Traditionen von ihren Vorfahren übernommen, die der überkommenen christlichen Glaubenslehre, die vom realen Leben und von der Natur total abgetrennte Sichtweisen vertritt, diametral entgegen stehen. Und genau deshalb besteht die gesamte saamische Folklore aus Mythen, Märchen, Sagen und Liedern, die von den Dingen und Erscheinungen in der Natur, der Tierwelt, im Leben der Menschen singen, von historischen Ereignissen und wirtschaftlichen Gegebenheiten. Somit gibt es in der Weltanschauung der Saamen, wie auch in der der karelischen und skandinavischen Völker keinen Platz für irrealen Mysthizismus und widernatürliche Restriktionen, wie sie den semitischen monoteistischen Glaubenslehren (die da wären Judaismus, Islamismus oder der Islam) eigen sind.

Ab Anfang des XIX. Jahrhunderts und bis zum Zweiten Weltkrieg bezüglich der Saamen in allen skandinavischen Ländern und in Russland eine Politik geführt, die auf die Assimilation der Saamen ausgerichtet war. Das hatte bedeutet, dass die Saamen ihre ureigensten kulturellen Traditionen und ihre Sprache gegen Verhaltensmodelle und Sprachen der herrschenden Kulturen in diesen Ländern eintauchen mussten. Unter den Bedingungen einer Assimilationspolitik hatten es die Saamen außerordentlich schwer, ihre ethnische Identität zu wahren. Kultur und Sprache der Saamen, sowie deren Art und Weise zu wirtschaften, galten als Hindernis für eine Vereinigung der Nation in einen einheitlichen Staat und für die gesamte Entwicklung der Gesellschaft. Die kranke Ideologie, die dieser Politik zu Grunde lag, nannte sich Sozialdarwinismus, der sich praktisch in alle sozialen Sphären eingeschlichen hatte: Von der Gesetzgebung über die Wissenschaft, bis hin zur praktischen Politik. Allerdings gab es von Seiten der einzelnen Staaten in Bezug auf die Saamen einige Unterschiede. So hat Schweden, zum Beispiel, anfangs des ХХ. Jahrhunderts eine Segregation der saamischen Rentierzüchter vorgenommen. Für die übrige saamische Bevölkerung wurde die Politik der Assimilation weitergeführt, während die Assimilationspolitik in Norwegen für alle Saamen Wirkung hatte. Unterschiedlich in ihrer Intensität waren gleichfalls die Versuche der Mächtigen dieser Länder, Sprache und Kultur der Saamen zu unterdrücken.

In Russland begann das traditionelle Leben der Saamen (Link nur in Russisch verfügbar) allmählich noch während der Zarenzeit zu verfallen. однако, Ein erheblich schwererer Schlag für die Selbstbestimmung der Saamen war allerdings die Zeit nach der Oktoberrevolution, als die sowjetische Regierung 1920-1930 aktiv an die Industrialisierung von Karelien und der Halbinsel Kola ging und allenorts eine Zwangskollektivierung durchführte und es nicht zuließ, dass einige mehr als andere hatten – die wurden dann als „Kulaken“ verschrien und aus dem Gemeinwesen verbannt. Im Ergebnis dessen, hatten alsbald fast alle in Karelien und auf der Kola-Halbinsel damit aufgehört, sich mit ihrem traditionellen Handwerk zu befassen und begannen damit, nach Finnland, Schweden oder Norwegen auszuwandern, ohne dass sie eine Möglichkeit dazu gehabt hätten, sich neue Wirtschaftsformen anzueignen. Dabei wurden viele der Saamen repressiert oder fielen unter die Entkulakisierung, wodurch das nicht gerade zahlreiche saamische Volk fast vollkommen ausgelöscht wurde.

In den Jahren des Zweiten Weltkriegs erreichte die nationale Diskriminierung der Saamen ihren Höhepunkt in allen Ländern, in denen sie sich niedergelassen hatten. In Norwegen, das von deutschen Truppen besetzt war, wurden die Saamen Opfer eines regelrechten Genozids, wodurch nicht wenige ihrer Vertreter – um des Überlebens Willen – dazu gezwungen waren, ihre saamische Herkunft zu verbergen und sich als Norweger zu zeigen.

1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von den Vereinten Nationen verabschiedet, und die Assimilationspolitik bezüglich der Saamen, wie sie in Norwegen, Schweden, Finnland oder der UdSSR praktiziert wurde, nahm verträglichere Formen an. Dabei gab es Anfänge dahingehend, die Rechte der Saamen als angestammte Völkerschaft darauf zu gründen, dass sie ja schließlich nicht selbst die Bedingungen gewählt hatten, unter denen sie lebten. Zudem wurde anerkannt, dass die Saamen eine kulturelle Einheit darstellen, und dass sich ihre historisch überkommenen Siedlungsgebiete unter Anwendung von Zwang in unterschiedlichen Staaten aufgegangen waren. Somit änderte sich die Politik in den Staaten, auf deren Gebiet Saamen siedelten, nach dem Zweiten Weltkrieg bezüglich dieser Bevölkerungsgruppe. Sie wurden günstiger für sie und es kam zu strukturellen Veränderungen in den politischen Systemen aller skandinavischen Länder.

Mitte des XX. Jahrhunderts begann das nationale Selbstgefühl der Saamen in Norwegen, Schweden und Finnland aktiv zu. In diesen Ländern fanden internationale Konferenzen statt, die sich mit den Problemen der Saamen befassten. Bald kam es dazu, dass in Norwegen, Schweden und Finnland saamische Parlamente gebildet wurden, deren Gesetzgebung Einfluss auf die Lebenstätigkeit der Saamen hatte. Sie sind nach wie vor verbindlich für die Regierungen dieser drei Länder. Eine solche nationale Selbstverwaltung wirkte sich positiv auf die Entwicklung der saamischen Sprachen aus, wie auch auf die Schriftsprache, die Kultur und die Traditionen der Menschen. 1956 wurde der Skandinavische Rat der Saamen gebildet – eine Föderation der nationalen saamischen Organisationen in Schweden und Norwegen, sowie des Sami-Parlaments in Finnland. Nach dem Zerfall der UdSSR beteiligten sich auch Vertreter der russischen Saamen an der Arbeit des skandinavischen Rates der Saamen, wonach diese internationale Nichtregierungsorganisation in den Samenrat umbenannt wurde, der jedes Jahr Zuschüsse aus dem Haushalt des skandinavischen Ministerrats erhält.

Wie die saamische Soziologin Eva Josephsen aus Norwegen vermerkt, konnte nun nach Jahrzehnten eine positive Entwicklung bei der Samenfrage beobachtet werden. Die politischen Probleme der Saamen fanden nun einen größeren Nachhall in den Medien, ihnen wurde in der staatlichen Politik mehr Aufmerksamkeit zuteil, als je zuvor. Es wurden Entscheidungen getroffen und Gesetze verabschiedet, die formal die Rechte der Saamen stärkten. Diese strukturellen Veränderungen schufen neue Voraussetzungen für die politische Aktivität der Saamen, und gaben ihnen als Volk ein erheblich größeres politisches Gewicht, als früher. Allerdings gibt es in den einzelnen Ländern diverse Unterschiede im Grad der politischen und bürgerlichen Rechte der Saamen als indigenes Volk.

So werden die Saamen in Finnland nach Artikel 14 der Verfassung dieses Landes als indigene Völkerschaft anerkannt und sind berechtigt, im öffentlichen Verkehr die saamische Sprache zu nutzen. 1995 hat das finnische Parlament Finnland das Gesetz über das Sami-Parlament verabschiedet, das den Saamen innerhalb ihrer Siedlungskreise eine autonome Kultur garantiert, und es stattet das saamische Parlament auch mit dem Recht aus, sich mit sämtlichen Fragen zu befassen, die mit der saamischen Sprache und Kultur sowie mit sonstigen Problemen der Saamen als indigene Völkerschaft zu befassen. Dabei erlegen die saamischen Gesetze in Finnland, im Unterschied zu den analogen Gesetzen in Schweden und Norwegen, den Behörden die Pflicht auf, Verhandlungen mit dem Sami-Parlament zu Fragen sämtlicher wichtiger Aktivitäten zu führen, die mittelbar oder auf andere Weise Einfluss auf den Status der Saamen als indigene Völkerschaft haben können.

1992 wurde in Schweden das Gesetz zur Versammlung der Saamen ratifiziert, das die Tätigkeit des Parlaments der Saamen in Schweden regelt und festlegt, dass dieses Parlament ein staatliches Organ ist und als administratives Organ des Staates anzusehen ist. Allerdings haben die Saamen in Schweden bis heute nicht den Status als indigene Völkerschaft, was sich negativ darauf auswirkt, wie die Saamen ihre Rechte auf Grund, Boden und Wasser verteidigen können. Gleichzeitig hat das schwedische Parlament 1999 die Konvention des Europarates zum Schutz der nationalen Minderheiten ratifiziert und die saamische Sprache gleichauf mit dem Finnischen als traditionelle Sprache anerkannt, was das Recht gibt, sich der saamischen Sprache vor Gericht, in sozialen Einrichtungen und administrativen Staatsorganen, die in den Gegenden Schwedens gelegen sind, wo saamisch gesprochen wird, zu bedienen.

In Norwegen hat das Parlament bereits 1987 das Gesetz über die Saamen erlassen. Ziel und Zweck dieses Gesetzes war es, Bedingungen zu schaffen, unter denen die Saamen ihre Sprache und Kultur in Norwegen wahren und entwickeln, sowie ihr soziales Leben führen können. Etwa dieselbe Formulierung wurde auch in die Verfassung von Norwegen eingebracht. Dabei ist saamisch in Norwegen als Landessprache anerkannt und kann im Verkehr mit sämtlichen Staatsorganen, die sich in einem saamischen Siedlungsgebiet befinden, gesprochen und geschrieben werden. 1995 hat das Parlament von Norwegen die Konvention des Europarates zum Schutz der nationalen Minderheiten ratifiziert und die Rechte der Saamen auf Grund, Boden und Wasser anerkannt. Das saamische Parlament wurde 1997 eröffnet. Zu diesem feierlichen Anlass war der König von Norwegen, Harald V, zugegen. Majestät ließ verlauten, dass “der norwegische Staat auf dem Territorium von zwei Völkern gebildet worden sei – dem der Norweger und dem der Saamen”.

In Russland haben die Saamen als eines von vielen indigenen Völkern in diesem Lande nichtsdestoweniger nicht solche durch die Verfassung verbrieften Rechte, wie sie die Saamen in Finnland, Schweden oder Norwegen haben. Mehr noch, in Russland wurden die Saamen im wirtschaftlichen Interesse des Staates oder von privaten Körperschaften aus ihren historischen Siedlungsgebieten verdrängt, zwangsausgesiedelt. Der Zugang der Saamen zu den natürlichen Ressourcen, darunter auch zu den Fischfangquoten, wird mit jedem Jahr immer weiter eingeschränkt. Deshalb ist das Leben und die traditionelle Kultur der Saamen im heutigen Russland äußerst erschwert und befindet sich in einem sinkenden Zustand. Die Entwicklung der saamischen Sprache und deren Kultur bekommt von keiner Seite Unterstützung vom Staat.

Heute siedeln die Saamen in der Russischen Föderation auf der Halbinsel Kola in den Rayons Lovozerskiy, Kola und Kovdorskiy der Oblast Murmansk, sowie im Rayon Loukhskiy der Republik Karelien. Ihre Zahl erreicht nicht mehr als zweitausend Einwohner. Dabei ist der Status der Saamen als indigene Völkerschaft in der Satzung der Oblast Murmansk verankert, nicht aber in der der Republik Karelien, wo die Saamen nicht einmal als indigene Völkerschaft von Karelien erwähnt werden, da die Artikel 11 und 21 der Verfassung der Republik Karelien eine nationale Entwicklung lediglich für Russen, Karelen, Wepsen und Finnen vorsieht.

Dabei sind die Angehörigen des saamischen Volkes de facto von der örtlichen Selbstverwaltung ausgeschlossen und haben keine Möglichkeit, ihre Vertreter in die gesetzgebenden Organe zu wählen, selbst in den Regionen nicht, in denen die Saamen über 20% der Einwohnerschaft ausmachen. Somit haben die Saamen in Russland, im Unterschied zu den anderen kleineren Ethnien keine eigenen Vertreter, weder im russischen Parlament, noch in der Staatsduma, auch nicht in den regionalen gesetzgebenden Versammlungen. Im Ergebnis dessen, werden die vitalen Probleme der Saamen von der Regierung in Russland nicht zur Kenntnis gekommen und können so auch keiner Lösung zugeführt werden. Die in den 1990ern in der Oblast Murmansk gegründeten Gesellschaftsorganisationen der Saamen, wie die Assoziation der Kola-Saamen, der Sami-Rat, die Gesellschaft für nationale und kulturelle Autonomie der Saamen des Rayon Lovozerskiy und diverse andere saamische Heimatverbände haben keinerlei rechtlicher Kompetenzen, Entschlüsse zu fassen, die für die kommunalen oder regionalen Staatsorgane verbindlich wären.

Heute haben die russischen Saamen lediglich deshalb die Möglichkeit, eine minimale Kooperation mit den staatlichen Organen in Russland zu verwirklichen, weil es ein internationales Zusammenwirken der indigenen Völker in der Region der Barentsee gibt, und weil sie im Arktischen Rat vertreten sind, sowie aufgrund der solidarischen Unterstützung von saamischen Organisationen aus Norwegen, Schweden und Finnland, die nicht nur den Saamen in Russland humanitäre Hilfe gewähren, sondern die auch regelmäßig auf die Regierung der Russischen Föderation einwirken, indem sie die Frage zur Rechtlosigkeit und zum schweren Leben der Saamen in Russland aufs Tapet bringen. Dank dieser Bemühungen wurde im Dezember 2010 in der Russischen Föderation, und zwar der Oblast Murmansk das saamische Parlament der Halbinsel Kola gebildet, das allerdings nicht die legale Absicherung für seine Tätigkeit seitens der föderalen und regionalen legislativen Organe der Staatsmacht bekommen hat.

Die Regionale Nichtregierungsorganisation «Freies Karelien» tritt als Organisation des Karelischen Volkes, wie es sich auf dem Gebiet der heutigen Republik Karelien in der Zeit vom IX. - XVIII. Jahrhundert aus den Ishora-Slawen, Russen, Karelen, Finnen, Schweden, Wepsen und Saamen entwickelt hat, und tritt für die Gleichberechtigung indigenen Völkerfamilie von Karelien ein. Daher ruft die Regionale Nichtregierungsorganisation «Freies Karelien» das Parlament der Russischen Föderation – die Staatsduma – dazu auf, normative Gesetzesakte zu erlassen, die die Gesetze schaffende Tätigkeit des Parlaments der Saamen der Halbinsel Kola regeln, dessen Jurisdiktion sich auf sämtliche Fragen der Lebenstätigkeit der Saamen erstrecken wird und dessen Entscheidungen zu den entsprechenden Fragen verbindlich für die Organe der Staatsmacht in jenen russischen Regionen sein sollten, in denen Saamen ansässig sind. Analoge Gesetze sollten auch auf Ebene der Föderation verabschiedet werden, damit in der Republik Karelien ein Karelisches Parlament geschaffen werden kann, das dazu in der Lage ist, die legalen Interessen der Karelen und Wepsen zu vertreten, sowie die Entwicklung ihrer nationalen Sprache und ihrer Kultur in der Republk Karelien zu gewährleisten. Zu diesem Zweck empfiehlt die Regionale Nichtregierungsorganisation «Freies Karelien», unter Berücksichtigung der spezifischen Lage der kleineren indigenen Ethnien in Russland die auf diesem Gebiet vorhandenen positiven Erfahrungen der skandinavischen Länder in Russland zu nutzen.


Abb. 1: Die Saamen und das Staatsparlament in Schweden.

Die schwedischen Saamen haben schwache Verbindungen zu den gesamtnationalen schwedischen Parteien. In diesen Parteien gibt es entweder recht wenig Saamen, die aktiv und ständig an Fragen der Politik der Saamen tätig sind, oder sie sind gar nicht vertreten. Allerdings haben einige der Parteien politische Programme der Saamen in ihr Programm mit aufgenommen, mit denen sie sich in ihrer Arbeit befassen. Die saamischen Organisationen in Schweden haben direkte Erfahrungen in der Arbeit mit den schwedischen Behörden, sowohl über die Lobby, als auch über diverse Verhandlungen. Nichtsdestoweniger verliert deren Position an Einfluss, denn man geht davon aus, dass das Sami-Parlament immer mehr analoge Funktionen übernehmen wird. Gleichzeitig beteiligen sich diese Organisationen über ihre eigenen politischen Parteien ebenfalls am Sami-Parlament. Es wird angenommen, dass ein verstärkter Einfluss der schwedischen Saamen in der Hauptsache über das saamische Parlament erfolgen wird. Da das saamische Parlament in Schweden allerdings eine sehr enge formale Struktur für die Durchführung von politischen Aktionen hat, und weil die schwedischen Behörden das saamische Parlament im Grunde als staatlich administratives Organ ansehen, hat es vorerst keine reale Kraft für eine Interaktion mit der schwedischen Staatsmacht.


Abb. 2: Saamen und das Staatsparlament in Finnland.

Die saamischen Organisationen in Finnland haben nicht jene ökonomischen Mittel, wie sie einige Gruppen von Aktivisten innerhalb des Parlaments der finnischen Saamen oder im finnischen Parlament haben. Nicht eine lokale oder nationale saamische Organisation hat über die Wahl-Kanäle wie auch immer geartete offizielle Verbindungen mit dem Sami-Parlament. Die Wahlen in das Sami-Parlament sind ausschließlich Wahlen einzelner Personen. Im Ergebnis dessen, ist keiner der Kandidaten an irgend ein Wahlprogramm gebunden und trägt auch keinerlei Verantwortung gegenüber einer saamischen Organisation. Außerdem haben die Saamen in Finnland niemals die Hilfe von finnischen Parteien zur Lösung ihrer Fragen in Anspruch genommen. Das schwächt die potentielle Rolle, die die Parteien als Instrument für den Einfluss der Saamen auf das Parlament in Finnland haben könnten. Daher gerät das saamische Parlament in Finnland in Konflikt mit Problemen für eine erfolgreiche Verteidigung der Interessen der Saamen im finnischen Parlament.


Abb. 3: Die Saamen und das Staatsparlament in Norwegen.

in Norwegen haben die Saamen mehr Instrumente, um Einfluss auf das Staatsparlament auszuüben. Bis zu dem Tage, an dem das Parlament der Saamen geschaffen wurde, war das wichtigste Instrument für den politischen Einfluss die gesamtnationalen saamischen Organisationen. Aber danach ist deren Rolle in Vielem geringer geworden, mit Ausnahme die der kommerziellen Organisation “Assoziation der saamischen Rentierzüchter Norwegen”, die Partner der Regierung für Verhandlungen in Fragen ist, die mit kommerziellen Aspekten in der Rentierzucht verbunden sind. Zum Instrument für die schnelle Entwicklung des saamischen Parlaments wurden von Anbeginn an die gesamtnationalen Parteien in Norwegen. Der Vorteil dieses Kanals zur Durchsetzung des Einflusses dieser Organisation bestand darin, dass das Sami-Parlament mehr Möglichkeiten schafft, damit saamische Fragen auf die Tagesordnung kommen. Zudem erhöht es den Grad der Verantwortung der norwegischen Politiker, indem es ein strengeres Regime vorsieht, damit die Politiker Rechenschaft vor ihren Parteien ablegen. Allerdings hat ein solches System, in dem die Parteien in Norwegen arbeiten, sowohl im Sami-Parlament, als auch in norwegischen Parlament, auch seine Nachteile. Diese Parteien können beispielsweise eher die Positionen ihrer eigenen Mitglieder im Sami-Parlament favorisieren, als sich mit der Meinung der Mehrheit des Parlaments zu arrangieren. Eine solche Tendenz kann durchaus ihren Einfluss auf die Legitimität und die Autorität des Parlaments der Saamen haben. Es ist durchaus möglich, dass es zwischen den Saamen und dem Parlament in Norwegen eher einen neuen Kanal für das Zusammenwirken geben wird. Als erster Schritt in Richtung dieser neuen Möglichkeiten, die Saamen im norwegischen Parlament zu vertreten, kann die Gründung der saamischen Volkspartei angesehen werden. Sollte diese in Norwegen in das Parlament einziehen, hätte das für die demokratischen Rechte der Saamen in Norwegen durchaus Vorteile.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Schutz der Interessen der Saamen über die gesamtnationalen Parlamente in Finnland, Schweden oder Norwegen nicht der einzige Weg sind, um den Einfluss der Saamen auf die innenpolitische Arena dieser Länder zu erhöhen, da die Saamen in den skandinavischen Ländern neben den Wahlen, bei denen sie ihre Vertreter in das gesamtnationale Parlament und in das Parlament der Saamen wählen können, auch aktiv vor Ort bei den lokalen und regionalen Wahlen mitwirken können, was leider in Russland nicht der Fall ist. Daher verlangt die praktische Umsetzung einer Politik des kulturellen Pluralismus in der Russischen Föderation, Im Ergebnis derer immer mehr kleinere indigene Ethnien, darunter auch die Saamen, zuverlässige Instrumente haben werden, die es ihnen erlauben, einen realen Einfluss auf die Lage im Land zu nehmen, dass die Repräsentanten der russischen Saamen und anderer indigener Völker bei den Kommunal- und Regionalwahlen auf allen Ebenen und in allen Bereichen, in denen diese Völkerschaften siedeln, aktiv Teil nehmen und die Interessen ihrer Wähler und Wählerinnen ohne Eigennutz vertreten. Für die Gestaltung einer zentralen Beteiligung der Vertreter der Saamen an allen Kommunalwahlen, zur Gewährleistung der Kontrolle über die Wahlen und für das Zusammenwirken mit den jeweiligen Wahlkommissionen, ist ein würdiger Führer für die russischen Saamen, der gleichzeitig Führer aller Saamen sein sollte, überaus lebenswichtig.

Dabei sollten sich alle saamischen Organisationen in Russland einem solchen saamischen Führer unterordnen.

Berühmte und bekannte Vertreter des Volkes der Saamen sind:
Ole Henrick Magga: saamischer Wissenschaftler, erster Präsident des Sami-Parlaments in Norwegen, erster Leiter des ständigen Forums der Vereinten Nationen für Fragen der indigenen Völker;
Helga Pedersen – saamische Politikerin und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Norwegen;
Mari Boine – saamische Sängerin aus Norwegen;
Lars Læstadius – saamischer Philosoph und Botaniker aus Schweden;
Lisa Thomasson – saamische Künstlerin aus Schweden;
Renée Zellweger – aus Norwegen stammende amerikanische Schauspielerin mit saamischen Wurzeln, Oscar-Preisträgerin (2003);
Nina Afanasyeva: saamische Philologin, Autorin des ersten Wörterbuchs und Sprachführers saamisch-russisch, erste Präsidentin der Assoziation der Kola-Saamen in Russland;
Valentina Sovkina: Erste Vorsitzende des Parlaments der Saamen der Halbinsel Kola in Russland;
Elena Yakovleva: saamische Meisterin des Volkes, Vorsitzende des saamischen Heimatverbandes «Kildin», Präsidentin der Assoziation der Kola-Saamen (AKS) in Russland;
Ivan Matryokhin: saamischer Sänger, Politiker, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaftlichen Organisation der Saamen der Oblast Murmansk, Vizepräsident des Samenrats als internationale Organisation.